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Swim: 3,8 km (1:17:11) • Schnitt: 2:01/100 m • Rang: 1524/ AK 387
Um halb Vier stehe ich auf und fahre von meinen Eltern aus in Bergen-Enkheim mit der ersten U-Bahn zur Berliner Str. Dort warten schon die Shuttle Busse, die uns zum Start bringen. Als wir ankommen, dämmert es gerade. Der Himmel ist entgegen den Vorhersagen klar, aber es ist saukalt. Schnell ist die Wechselzone fertig eingerichtet und das Rad mit allem Überlebenswichtigen bestückt. Am Nebenplatz treffe ich den anderen Volker Kaufmann. Als ich dann endlich in den Neo steige, wird mir warm aber der Boden ungemütlich kalt. Mit Andi gehe ich zum Stand. Als wir ins Wasser steigen, ist es endlich richtig warm (21C°). Das sollten wir mal in unserem See einführen.
Chris, Thomas und seine Freundin schwimmen sich auch schon ein. Wir unterhalten uns noch kurz und plötzlich stehe ich dort, wo ich garantiert nicht hingehöre: ganz von am Start. Ich will zurück, es sind noch vier Minuten bis es losgeht. Aber das geht nicht mehr, es ist zu dicht. Strampelnde Füße und Ellbogen berühren mich, langsam werde ich klaustrophobisch. Dann fällt der Startschuss. Dieser Pulk ist ein einziger Wasserschatten und so komme auch ich gut mit. Doch die Panik wird immer stärker. Ich versuche mich zu beruhigen, aber es hilft nichts. Die Brust wird eng, ich bekomme keine Luft, will hier raus. Panik! Zum Glück zieht es das Feld auseinander. Ich mache einige Brustzüge, mache mir klar, dass ich heute hier bin um zu finischen und was ich alles für diesen Tag investiert habe. Ich beruhige mich wieder. Stelle mir Cordula am Becken vor wie sie „Kopf runter!“ und „Strecken!“ zuruft und komme wieder rein. Von jetzt an macht es Spaß und ich schwimme wieder im Pulk mit und unglaublich: ich überhole auch. An den Wenden wird es immer sehr eng, aber es geht sehr fair zu. Ich habe nur Angst um einen Chip, der jetzt unter meinem Neo rausgerutscht ist. So Schwimmen wir dahin, Körper an Körper, immer wieder berühre ich schrundige Triathletenfüße, die Sicht beträgt keine 50 cm. Dann der Landgang. Zum Glück nur kurz, weil die alle nur gehen als hätt`s keiner eilig. Ich komme nicht vorbei. In der zweiten Hälfte schwimme ich dann eine ganze Sekunde schneller in einem durch. Am Ende sind es 2 Minuten auf 100 Meter. Ich bin stolz wie Bolle: letztes Jahr um die Zeit habe ich in Karlsfeld noch 1:27 für 3,6 km gebraucht und jetzt 1:17 für 3,8 km!
T1 Swim to Bike 7:00 min
Nach dem Ausstieg den fiesen Sandhügel hoch das gleiche Bild, alle gehen, keiner rennt. Aber ich komme im Zickzack gut durch. Ich bin beim Schwimmen immer wieder den Wechsel durchgegangen und habe mir heute morgen meinen Standort gut eingeprägt. Sollte alles kein Problem sein. Aber womit ich nicht gerechnet habe, ist der komplette Blackout, der mich ereilt. Alles weg, Hirn im See vergessen! Ich stehe verzweifelt in der Wechselzone und habe keine Ahnung, was ich hier soll oder wo ich hin muss. Eine Helferin kommt zu mir fragt nach meiner Nummer. Nummer? 186irgendwas stammle ich. Doch da ist nix. Es war an einem Baum! Verdammt wer hat jetzt die ganzen Bäume hier hin gesetzt? Ahhh... Dann fällt es mir wieder ein, 16 davon die Hälfte 8 und eins weniger 7. 1687. Sieben geschlagene Minuten hab ich in der Wechselzone vertrödelt. Mann-oh-mann, so eine Kacke!
Bike: 180 km (5:22:59) 1000 hm • Schnitt: 33,44 km/h • Rang: 697/AK 172
Ich bin so sauer, dass ich in die Pedale trete und drücke, was das Zeug hält. Es fängt an zu regnen, der Regen wird immer stärker. Alle paar Kilometer säumen Radler mit Defekt die Strecke. Ich habe eine Heidenangst vor einem Platten, obwohl ich das Aufkleben und Aufpumpen mit Kartusche zur Genüge geübt habe. Dann sind wir auch schon in Frankfurt. An der Kurve zum Mainufer steht der Karlsfelder Fanclub. Ich erkenne Mary, Moe und Gerhard und Susanne. Ich kann aber nicht zurückgrüßen, da ich mit Kork auf Carbon bei Nässe von 50 km/h runterbremsen und um die 90°-Kurve muss. Dann weiter über die Hanauer Landstraße fliegen. Es ist einfach nur geil. Dann kommt auch schon der erste steilere Anstieg „The Beast“ in Bergen. Oben wohnen meine Eltern, ich bin so schnell vorbei, dass ich Kerstin nur schreien höre aber nicht sehe. Dann geht es die krasse Abfahrt runter in Richtung „The Hell“. Wind kommt auf, der von der Seite drückt. Ich muss mich voll konzentrieren bei der Nässe. Ich jage an Miriam vorbei. Kurzes Hallo, dann weiter. Dann kommt die Kopfsteinpflaster-Passage „The Hell“. In den Kurven liegen Heuballen aus. Nicht ohne Grund, denn es ist sauglatt. Im (trockenen) Training bin ich die Strecke einige mal gefahren, mehr als 20 km/h habe ich mich hier nie getraut zu fahren. Dieses Pflaster hatte mich einmal einen Schraubenkopf meiner Flaschenhalter hinten gekostet. Aber heute lasse ich mich anstecken und jage darüber hinweg. Die Zuschauer sind unglaublich, trotz des Regens harren die tapfer an der Strecke aus und verbreiten eine Wahnsinnsstimmung. Die Kopfsteinpflasterhölle jagt jedes Gefühl aus meinen Armen. Am Hühnerberg geht die Taubheit wieder weg. Der Anstieg ist leicht zu fahren, aber bergab drückt mich bei über 70 km/h eine plötzliche Böe zwei Meter zur Seite, ich kann es aber gerade noch abfangen. Also umgreifen und klein machen. Jetzt fängt der Lenker an zu flattern. Aber da bin ich auch schon fast unten. In den nächsten Ortschaften wird es verdammt eng, aber zum Glück bin ich die Strecke schon oft gefahren und kenne jede Kurve.
Die nächsten drei Versorgungsstellen lasse ich aus, ich hab ja genug dabei. In Bad Nauheim geht es wieder zurück. Jetzt bläst ein Gegenwind, der einem alles abverlangt. Also kleiner Gang und Kräfte schonen. Die Burg- und die Wöllstädtermeilen sind weniger gut besucht, kein Wunder bei dem Wetter. Aber am „ Heartbrake Hill “ ist dafür die Hölle los!
Ich kurbele den Anstieg gleichmäßig mit 21 km/h hoch und lasse mich nicht von der schreienden Menge anstecken, das Ding hochzufliegen. Trotzdem ist das Gänsehaut pur! Dann schnell runter nach Frankfurt. Dort sind inzwischen so viele Zuschauer. Die Stimmung ist gigantisch!
Der Wind wird immer stärker und es schüttet wie aus Kübeln. Im See war ich dank Neo trockener. Die zweite Runde ist dann langsamer als die erste (33,05 statt 36,32 km/h) aber ich nehme auch bewusst raus, weil ja noch der Marathon gelaufen werden muss. Insgesamt ist der Schnitt (Anfahrt vom See mitgerechnet) mit 33,44 km/h auch nicht so schlecht für 180 km mit 1000 hm. Damit habe ich mich um 827 Plätze nach vorn gekämpft. Die Referees haben wirklich für Ordnung im Feld gesorgt, ständig waren die überall und haben dicht fahrende Radler auseinander gezogen bzw. angetrieben, endlich vorbeizufahren und so für ein wirklich faires Rennen gesorgt. Am Hinterrad konnte hier keiner lutschen. Nervig waren nur die neuen Umweltbestimmungen: Pinkeln in der „Öffentlichkeit“ gab eine gelbe Karte und Wegwerfen von Geltütchen oder Flaschen ausserhalb der Verpflegungszonen Rot und damit war man sofort aus dem Rennen. Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass mir ein Papierschnipsel wegfliegt. Ich habe so viele gesehen, die beim Pinkeln Gelb sahen (wie passend), da bin ich lieber gleich auf dem Rad geblieben. Geregnet hat‘s eh. ; )
T2 Bike to Run 2:52 min
Bei der Einfahrt in die 2. Wechselzone zeigte sich wieder die 1A Organisation. Leute nehmen mir das Rad ab, die bekomme meinen Beutel gezeigt und den Weg ins Zelt gewiesen. Dort winkt man mich nach hinten durch. Helm runter, Kappe auf, Strümpfe und Schuhe an! Der Wechsel ist in unter drei Minuten vollzogen und ab geht‘s auf die Laufstrecke.
Run 42,2 km (3:56:47) • Schnitt 5:36/km • Rang 683/AK 176
Ich habe inzwischen im Training so oft gekoppelt, dass ich nicht mehr laufe wie auf Eiern, wenn ich vom Rad runter bin. Ich gehe es erst mal moderat an, kontrolliere meinen Puls der sich zwischen 140 und 150 einpendelt. So kann ich einen 5er bis 5:30er Pace laufen. Die Strecke liegt mir überhaupt nicht, ein viermal zu absolvierender Rundkurs. Lieber laufe ich eine große Runde. Der einzige Vorteil ist, dass man immer wieder an seinen Leuten vorbeikommt. Kerstin, meine Kinder und meine Eltern, Susanne, Gerhard Mary und Moe, und weiter hinten Cordula mit Michael, die mir immer so Feuer unter dem Hintern gegeben haben, dass ich gar nicht dazu kam mitzuteilen dass es mir nicht gut geht. Mein Magen machte ab Runde 2 Probleme. Ich habe mich zwingen müssen Cola, Iso und Wasser in kleinen Schlucken zu mir zu nehmen. Einmal habe ich Salzwasser erwischt und fast gekotzt. Seltsamerweise habe ich dann aber richtig Hunger bekommen und die kleinen Brezen taten nach all dem Gel richtig gut. Ich stoppe während des ganzen Laufs nur 3x für‘s Dixi. Ansonsten laufe ich ununterbrochen durch. Im Vergleich mit einem 100 km-Lauf sind diese 42 km viel anstrengender. Jedenfalls kam es mir so vor, obwohl ich mir immer wieder gesagt habe: „Was sind schon 42 lächerliche Kilometer hey Du bist schon 100 gelaufen.“ Half aber nix. Ich hatte ständig das Gefühl überholt zu werden, obwohl ich mich in meiner AK nur um 4 Plätze verschlechtert und insgesamt um 16 verbessert habe. Ab Kilometer 33 habe ich beschlossen, nur noch zu trinken und ab Kilometer 37 habe ich auch nichts mehr getrunken, nur noch den Mund gespült. Das war gut für den Magen, dem ging‘s dann besser, aber der Treibstoff hat doch gefehlt. Der Pace ging dann rauf auf über 6 min./km. Nachdem ich das 4. Bändchen hatte, ging es dann wieder schneller. Die Aussicht auf das nahe Ziel und Cordulas Spruch „Nur noch 1500 Meter, dann hast du‘s geschafft“ haben mir Flügel verliehen. Die Zuschauer, die mich mit den 4 Bändchen sahen, riefen immer wieder „Volker, Endspurt, gleich bist Du im Ziel!“ So konnte ich auf den letzten 3 Kilometern noch den Pace auf unter 5:30 min/km. drücken. Die letzen 200 Meter rauf zum Römer waren der Hammer. Johlende Zuschauer, roter Teppich, die Tribüne, die Zeittafel. Geschafft! Gefinished und unter 11 Stunden!! Ich kann endlich auch sagen: „Ich bin ein Ironman!“
Fazit
Ich habe schon immer mit Hochachtung und Bewunderung auf alle Finisher einer Langdistanz geblickt. Aber wirklich ermessen, was das heißt, auch was die Zeiten bedeuten, kann man nur, wenn man selbst daran teilgenommen hat und die Schmerzen und durch die Hochs und Tiefs gegangen ist und sich bis zum Ende durchgebissen hat.
Ich habe so viel investiert und trainiert, aber so hart habe ich mir das Laufen nicht vorgestellt. Gerechnet habe ich vermessener Weise auch mit einer um 15 - 30 min besserer Zeit. Aber wie gesagt, ich habe in der Gänze nicht ermessen können, auf was ich mich da einlasse. Jetzt bin ich nur froh, dass ich weder Defekt noch Krämpfe oder sonst was hatte und alles bis zum Ende hin durchziehen konnte. Unter 11 Stunden sind doch für die erste Langdistanz super und vielleicht ist es auch gut, dass noch Luft ist, die Zeit irgendwann zu toppen. In den nächsten Jahren werde ich das aber noch nicht machen können. Vom Trainingsaufwand ist das momentan einfach nicht drin.
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